| Sprachgenie Andrej Kurkow liest und singt bei Mönter |
| 23.02.2010 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 8,- |
Mit dem Roman „Picknick auf dem Eis“ wurde der Ukrainer Andrej Kurkow 1999 schlagartig berühmt. Niemand sonst hatte je einen melancholischen Pinguin zu einer bedeutenden Nebenfigur in einem Roman gemacht. Elf Jahre später ist Andrej Kurkow immer noch ein Autor, der so komisch und berührend wie kein Anderer über den postsozialistischen Wahnsinn seines Landes schreibt. Sein neuestes Werk heißt „Der Milchmann in der Nacht“ – eine dreifache Liebesgeschichte, schwarze Komödie, Krimi und politische Satire zugleich – stellt er am Dienstag, 23. Februar ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath vor. Dazu spielt das Multitalent Klavier und singt russische Lieder. Andrej Kurkow ist einer der faszinierendsten russischsprachigen Schriftsteller der Gegenwart. Seine heiter-schwermütige Schreibweise entführt in eine einzigartige sowjetische Welt. Kurkow verbrachte seine Kindheit und Jugend in Kiew, studierte in der sowjetischen Zeit Fremdsprachen. Inzwischen spricht er elf Sprachen fließend, auch Deutsch gehört dazu. Er arbeitete während seines Militärdienstes als Gefängniswärter und später als Kameramann, Journalist, Herausgeber einer Zeitung und Autor für Romane, Kinderbücher und Drehbücher. Der 49-Jährige bezeichnet seine Literatur als Postsowjetisch und gibt zu, dass ihn die Einflüsse des SU-Systems nach wie vor prägen. Diese Mentalität äußert sich an dem, was Kurkow den „Zookomplex“ nennt: Passiv sein und auf Nahrung warten. Eine Tendenz, die in seinen Romanen eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Man sitzt im Käfig und zeigt keine Initiative. Die postsowjetische Welt mit allen ihren Widersprüchen ist „ein dubioses Paradies für den Schriftsteller“. Kurkow bekennt, dass er ein Zyniker ist: „Andernfalls müsste ich ein heftiger Trinker werden, emigrieren oder Selbstmord begehen“. Kurkovs frühe Werke waren durchdrungen von den Sujets der Naivität, Einsamkeit, Trauer, so dass sich seine Romane über weite Strecken um diese Thematik und ihre Beziehung zum Schicksal drehten. Mittlerweile haben seine Werke eine Botschaft, die auch auf das Konkrete abzielt – die Politik. Immer noch schreibt Kurkow Bücher über Liebe, Reise und Schweigsamkeit. Seine Protagonisten tragen immer noch dieselbe Einsamkeit und Melancholie in sich und stehen ohnmächtig einem willkürlichen Schicksal gegenüber. Das aber führt sie in die Schichten einer korrupten und gnadenlosen Politik. Der Autor kennt sich erstaunlich gut auch in den Sackgassen der Politik aus. Unter anderen deshalb, weil er in den oberen Etagen der Macht viele Freunde hat, die ihm gelegentlich über pikante Hintergrunddetails berichten. Literarisch verwendet Kurkow zwar keine realen Personen, sondern spielt mit Absurditäten. Phantasie und Realität liegen aber oft sehr nahe beieinander. |
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