Mönter: Szenische Lesung über den Briefwechsel
zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan
11.05.2009
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 8,-
Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zwei der wichtigsten Nachkriegs-Lyriker deutscher Sprache, hatten tiefe Gefühle füreinander, konnten ihre Liebe aber nicht gemeinsam leben. Zwischen 1948 und 1967 schrieben sie sich mehr als 200 Briefe, die jetzt unter dem Titel „Herzzeit“ veröffentlicht wurden. In einer szenischen Lesung dieses Briefwechsels wird das Schauspielerpaar Cornelia Schönwald und Peter Liebaug am Montag, 11. Mai ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath das ebenso dramatische wie bewegendes Lebenszeugnis in all seine Phasen mit ihrem eigenen Gesicht, ihrem besonderen Ton, ihren Themen, ihren Hoffnungen, ihrer Dynamik und ihrer eigenen Form des Schweigens verdeutlichen.

Bachmann und Celan lernen sich im Mai 1948 in Wien kennen: die 21-jährige Philosophiestudentin und der 27-jährige Lyriker und Übersetzer, dessen Eltern im KZ ermordet worden waren. Er selbst hatte das Arbeitslager in Rumänien überlebt. Celan und Bachmann verlieben sich ineinander. Aber er zieht nach nur einem Monat weiter. Versuche eines Zusammenlebens scheitern, die Beziehung endet. Wirklich voneinander lassen aber können die beiden nicht, wie ihr erst 1967 endgültig endender Briefwechsel eindrucksvoll und oft erschütternd zeigt. Er schildert das Ringen um Freundschaft und Liebe zwischen diesem ungleichen und doch seelenverwandten Paar.

Die 1926 in Klagenfurt geborene Bachmann war das behütete Mädchen aus der Provinz. Celan, geboren 1920 in Czernowitz, der geschundene Davongekommene, der kein Vertrauen mehr fassen konnte. Sie trug ihre Schuld an deutscher Geschichte und einem Vater, der Mitglied der NSDAP war. Beide blieben auf ihre Art Einzelgänger. Schon deshalb war es eine unglückselige Liebe, in der es nur wenige, kurze Phasen der Erfüllung gab. Nach einer kurzen Wiederbelebung ihrer Beziehung im Oktober 1957 beichtete Celan ihr, sie sei „das Sinnliche und das Geistige“ für ihn. Letztlich blieb die Sehnsucht aber unerfüllt, Celan ertränkte sich 1970 als 49-Jähriger in der Pariser Seine. Bachmann starb drei Jahre später, als eine Zigarette ihr Bett in Rom in Brand setzte. Kurz zuvor hatte sie dem toten Geliebten einen letzten Gruß in ihrem Roman „Malina“ geschrieben: „Mein Leben ist zu Ende, denn er ist auf dem Transport im Fluss ertrunken.“

Die Lektüre der 200 Briefe ist schmerzhaft und bedrückend. Es finden sich wundervolle poetische Formulierungen, bitterste persönliche Not, und ein verzehrender Kampf gegen das verdüsterte geistige Klima der Nachkriegsrepublik. Über diesem Briefwechsel liegt ein ständiges Vergeblich, ein Wehklagen noch im Schweigen. Es ist ein tragisches Stück deutscher Geistesgeschichte.

 

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