| Mönter: Heinz Rölleke liest aus „Das große deutsche Sagenbuch“ |
| 23.03.2009 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 8,- |
„Sage vergeht nie ganz, die verbreitete, welche der Völker redende Lippe umschwebt: Denn sie ist unsterbliche Göttin.“ Mit diesen Worten würdigte bereits im siebten Jahrhundert Christus Hesiod, der erste namentlich bekannte europäische Schriftsteller, solche Literatur, die sich offensichtlich seit Menschengedenken erhalten hat. Poltergeister und Rüttelweiber, wilde Jäger und Wassergeister haben unzählige Sagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bevölkert. Neben den Erzählungen wie die vom Binger Mäuseturm, der Loreley, Wilhelm Tell oder dem Rattenfänger von Hameln existieren viele weniger bekannte mündlich tradierte Erlebnisberichte. Heinz Rölleke kennt sie fast alle. Der erimitierte Professor für deutsche Philosophie und Volkskunde hat in seinem „großen deutschen Sagenbuch“ mehr als 1000 Sagen aus dem deutsprachigen Raum zusammen getragen. Am Montag, 23. März ab 19 Uhr liest er im Buch- und Kunstkabinett Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath daraus vor.Rölleke, der selbst Geschichte und Philosophie in Köln und Zürich studierte, war von 1974 bis 2001 als Professor für deutsche Philologie an der Universität Wuppertal tätig. 1985 erhielt er den Preis der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach und den Staatspreis des Landes Hessen. 1999 wurde ihm der Brüder Grimm-Preis der Philipps-Universität Marburg verliehen und 2006 der Reichelsheimer Märchenpreis. Rölleke beschäftigt sich seit seiner Studentenzeit intensiv mit Literatur. Eines Tages fand er heraus, dass Schneewittchen und Frau Holle nicht der Phantasie des deutschen Volkes entsprungen waren, sondern französische Vorbilder hatten. Damit krempelte er die Germanistik um, die Märchen bis dahin als Kinderkram und Metier für Volkskundler abgetan hatte. Rölleke wurde über Nacht zum „Märchenpapst“. Er selbst ärgert sich manchmal über diesen Beinamen. „Als wenn es das Einzige wäre, was ich gemacht habe“, sagt er. Tatsächlich habe er sich viel nachhaltiger mit der Romantik beschäftigt, aber die sei eben nicht so populär. In jüngster Zeit widmete sich Rölleke den Sagen zu, die er streng von Märchen unterscheidet. „In beiden geschieht ein Wunder, eine irreale Sache, die nicht aufgelöst wird“, berichtet der 72-Jährige. Während im Märchen das Wunder aber meist positiv besetzt ist, fürchten sich die Menschen in den Sagen davor. Anders als Märchen seien Sagen von oben herab entstanden. „Staat oder Kirche wollte beim Leser ein Gruseln erzeugen, um ihm Moral einzubläuen“, erklärt Rölleke. Eine zweite Gruppe von Sagen soll erläutern, warum etwas ist, wie es ist. Der Legende nach trage beispielsweise der Mäuseturm von Bingen diese Bezeichnung, weil dort ein Bischof von Mäusen aufgefressen wurde. In Wirklichkeit habe das heutige Wahrzeichen der Stadt früher Maut-Turm geheißen, doch durch einen Übersetzungsfehler sei der andere Name entstanden. |
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