Mönter: Wilhelm Gössmann liest aus seinem
neuen Werk „Ohne Religion kein Beten?“
09.03.2009
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 5,-
Am Anfang der deutschen Literatur stehen anspruchsvolle religiöse Texte. „Deshalb ist die Auseinandersetzung mit der religiösen Sprache notwendig und lohnenswert“, meint Literaturwissenschaftler Wilhelm Gössmann. Es sei nötig, sich mit der religiösen Sprache zu beschäftigen, denn es gebe sonst auf diesem Gebiet keine Impulse mehr. Selbst neue Gebete verharrten in der herkömmlichen Frömmigkeitssprache.

Gössmann hat sich eingehend mit diesem Thema befasst und darüber ein Buch mit dem Titel „Ohne Religion kein Beten?“ geschrieben. Aus diesem 123 Seiten langen Werk liest er am Montag, 9. März ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath vor. Gössmann, emeritierter Professor für deutsche Literatur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ist bekannt für seine zahlreichen literarischen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Gössmann geht der Bedeutung der Poesie für die Religion nach und interessiert sich für das Beten in der säkularisierten Welt von heute. „Ohne Religion kein Beten?” zeigt die sprachlichen Möglichkeiten, sich der Religion und dem Beten zu nähern. Das Werk beinhaltet sowohl einfache Texte, die auch Kinder ansprechen, als auch Werke, die sich an Intellektuelle richten. Gössmann setzt sich mit den Zuständen der aktuellen Zeit auseinander und spiegelt eine breite sprachliche Möglichkeit wider: Gebet als geistige Arbeit, als Meditation, als Form der Sinnlichkeit oder als Überprüfung unseres Gottesbewusstseins.

Der pensionierte Professor ist fachkundig, schließlich studierte er selbst Theologie als zweites Fach, auch um literarische Texte aus dem Mittelalter besser verstehen zu können. Theologie „aus zweiter Hand” war für ihn unvorstellbar. Bis heute beschäftigt sich der 82-Jährige mit der Geschichte und den Zustand der religiösen Sprache.

Die Idee zu seinem neuen Werk hat er Raissa Gorbatschowa, der Ehefrau des ehemaligen russischen Präsidenten zu verdanken. Sie wurde in einem Radiointerview gefragt: „Beten Sie?” „Ich weiß nicht wie“, lautete ihre spontane Antwort. Gössmann beantwortet die Frage anders: „Alle Leute beten — in einem offenen Sinne.” Er versteht darunter, etwas Verbindliches für sich zu denken. Gössmann geht weg vom klassischen „ora et labora — bete und arbeite” und auch von den Gedanken Don Boscos „Arbeiten ist Beten”. „Beten ist Arbeit”, meint Gössmann. Weil man sich erst dann mit dem Thema auseinandersetze. Durch Beten könne man innerlich heiter werden. Beispielsweise sei für ihn auch Küssen als Ausdruck verbundener Sinnlichkeit eine besondere Form des Betens.

 

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