Mönter: Georg Cornelissen spricht
über den Dialekt im Rheinland
02.03.2009
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 5,-
Jedes Jahr wird am 21. Februar der „Internationale Tag der Muttersprache“ begangen. Diese Muttersprache ist für manche Menschen im Rheinland der Dialekt. Sie haben ihn, teilweise sogar vor dem Hochdeutschen, auf Mutters Schoß gelernt, und sprechen im Alltag auch heute noch gern Dialekt – und das nicht nur zur Karnevalszeit. „Platt“ nennt man die Mundart im Rheinland.

In seinem neuen Buch „Meine Oma spricht noch Platt“ beschreibt Georg Cornelissen, Sprachwissenschaftler beim Landschaftsverband Rheinland/Rheinische Landeskunde in Bonn, die sprachliche Entwicklung des Rheinlands in jüngster Zeit. Am Montag 2. März ab 19 Uhr stellt er sein 157 Seiten umfassendes Werk im Buch- und Kunstkabinett Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath vor.

Cornelissen analysiert, warum Eltern den Dialekt nicht mehr an ihre Kinder weitergegeben haben und beschreibt die tatsächliche Bedeutung von Mobilität und Migration. Dabei ist ein „Mehrgenerationenbuch“ heraus gekommen, nimmt der Autor doch sowohl die Perspektive älterer Menschen als auch die Sicht heutiger Eltern und ihrer Kinder ein, für die der Dialekt oft schon eine Art Fremdsprache ist. Der Autor hat in den letzten Jahrzehnten Hunderte von Menschen im Rheinland nach ihrer individuellen Sprachgeschichte gefragt. Den Satz „Meine Oma spricht noch Platt“ – manchmal ist es natürlich auch der Opa – hat er dabei immer wieder zu hören bekommen. Das brachte ihn auf die Idee, ein Buch darüber zu schreiben. Dass es das erste überhaupt zu diesem Thema ist, ist mehr als erstaunlich.

Ebenso erstaunlich ist, dass zwischen Niederrhein und Eifel überhaupt noch „Platt“ gesprochen wird. Denn seit sehr langer Zeit bläst dem Dialekt der Wind ins Gesicht, genauer: den Menschen, die ihn sprechen. Bereits der berühmte Dichter Heinrich Heine urteilte: „Jenes fatale Kauderwelsch ist in Düsseldorf noch erträglich, in Köln jedoch wahrlich ekelhaft“. Knapp 200 Jahre nach diesem Ausspruch könnte sich Heine freuen, denn die Mundart ist im Rheinland so gut wie ausgestorben.

Der Grund: Die Dialektsprecher waren es irgendwann leid, ständig ausgelacht zu werden. „Das ist über die langen Jahre so gewachsen. Wer unten stand, sprach anders. Und die anderen guckten auf ihn herab. Wer Platt sprach, wurde verlacht“, weiß Cornelissen. „Sprache war schon immer die Möglichkeit, sich von den anderen abzusetzen. Sobald man den Mund aufmachte, war klar, woher man kam. Die Sprache verriet Bildung und Stand.“ Wer als Angehöriger der Unterschicht gebrandmarkt war, sei vom Nachbarn gemieden worden und so habe man flugs Hochdeutsch gelernt.

 

Kontakt: email / Internetadresse

Pressefoto: Download
Worddatei: Download
>zurück