| Mönter: „Wo man Bücher verbrennt…“ – Jürgen Janning erinnert an den 10. Mai 1933 |
| 08.05.2008 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 8,- |
Am 10. Mai 1933 loderten Scheiterhaufen in vielen deutschen Universitätsstädten. Deutsche Studenten warfen Bücher bedeutender Schriftsteller ins Feuer, Werke von Nelly Sachs, Klaus Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud und Hunderter anderer Autoren verbrannten. 75 Jahre danach erinnert der Sendener Rezitator Jürgen Janning am Donnerstag, 8. Mai ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter in Osterath an eines der beschämendsten, an Symbolik kaum zu überbietenden Rituale der deutschen Geistes- und Universitätsgeschichte. Zwei Wochen vor der scheußlichen Tat durchforsteten Studenten und Professoren damals die Universitäts- und Institutsbibliotheken nach „verbrennungswürdiger“ Literatur. Auch öffentliche Bibliotheken wurden durchsucht. Grundlage für die Auswahl der Literatur bildete die am 26. April 1933 verschickte „Braune Liste verbrennungswürdiger Literatur“ mit 71 Autorennamen. Diese Aufstellung basierte auf den „Schwarzen Listen“, die der Bibliothekar Dr. Wolfgang Hermann im Auftrag des Verbandes Deutscher Bibliothekare und des Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda erstellt hatte. Die Ergebnisse der Sammelaktionen wurden am 10. Mai zu Scheiterhaufen aufgeschichtet, die im Mittelpunkt der Bücherverbrennung standen. Mit einem Fackelzug und im Ornat ihrer Verbindungen oder in Parteiuniform machten sich die Studenten am 10. Mai auf den Weg zum Scheiterhaufen. Hier erwartete sie zunächst ein öffentlicher Vortrag, in Berlin wurde er von Joseph Goebbels gehalten, in den anderen Städten von Professoren der jeweiligen Universität. Unter großem Gejohle der Studenten und eines breiten Publikums wurden die Bücher in Brand gesteckt. Neben Berlin auch in Bonn, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dortmund, Dresden, Frankfurt, Göttingen, Greifswald, Hannover, Kiel, Königsberg, Landau, Marburg, Münster, München, Nürnberg, Rostock, Worms und Würzburg. Fast alle anderen Universitäten holten das Vorhaben wenige Tage später nach. Was für manch einen Studenten und Professor den Startpunkt für eine Karriere im Nationalsozialismus bedeutete, hieß für viele Autoren und Künstler das Ende ihres künstlerischen Schaffens. Viele überlebten in der Emigration, fanden dort jedoch nie wieder die Kraft an ihr früheres Werk anzuknüpfen. Manche sahen keinen anderen Ausweg als den Freitod und hinterließen ein unvollständiges Werk, das zu großen Hoffnungen Anlass gegeben hatte. Dazu gehören heute bekannte Autoren wie Kurt Tucholsky, Stefan Zweig und Klaus Mann. Manche von ihnen sind vergessen wie Irmgard Keun, Hermann Essig, Alexandra Kollontay, Emil Ludwig oder Werner Türk. Ihre Namen findet man nur noch auf den Listen der verbrannten Bücher. In seiner Lesung gedenkt Jürgen Janning all dieser Autoren, deren Werke in den Flammen aufgingen. |
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