| Mönter: „Woche der Religionen der Welt“ Professor Michael Hochgeschwender spricht über sein aktuelles Buch „Amerikanische Religion“ |
| 07.03.2008 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 8,50,- |
In Europa ist Glauben in weiten Teilen streng privatisiert. Für die meisten US-Amerikaner hingegen ist gesellschaftliches Leben ohne Religion undenkbar. Nur 0,7 Prozent der Bevölkerung bekennen sich als Agnostiker. Staat und Kirche wurden zwar schon 1791 getrennt, aber auf jeder Dollarnote steht: „In God we Trust“ - „Wir vertrauen auf Gott.“ Zum Abschluss der „Woche der Religionen der Welt“ klärt Michael Hochgeschwender am Freitag ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter in Osterath über die Eigenheiten der amerikanischen Gesellschaft und ihr erstaunliches Maß an Religiosität auf. Der Professor für nordamerikanische Kulturgeschichte an der Universität München legte jetzt im Verlag der Weltreligionen einen 316 Seiten dicken Essay vor, aus dem er Auszüge vorliest. Zwei Erfahrungen sind es, die Europas und Amerikas Glaubensleben trennen: Zum einen die Glaubenskriege, die Europa im 16. und 17. Jahrhundert traumatisierten. Sie wurden beendet, in dem der Staat sich als Zentralmacht neu erfand und die Religion monopolisierte. Dies garantierte den Frieden - die Freiheit des Glaubens musste zurückstehen. Vor diesem Zwang flohen viele nach Amerika und entwickelten dort eine religiöse Vielfalt. Zum anderen ist die Erfahrung von Fundamentalismus grundsätzlich verschieden. In Europa wurden zu oft Gewalttaten mit unmittelbaren Gotteserfahrungen begründet, man misstraut jeder Bekundung religiöser Leidenschaft. In den USA hingegen ist die Rückbesinnung auf die Wurzeln der Bibel oft der Beginn großer Reformen gewesen - der Bürgerkrieg ging eben nicht um den Glauben, sondern um den Zusammenhalt des glaubensneutralen Staates. Evangelikalismus und das Bekenntnis zur Demokratie gingen in den USA stets Hand in Hand. Hochgeschwender beschreibt in seinem Buch die Ursprünge und Ursachen der spezifisch amerikanischen Religiosität und die in den vergangenen 200 Jahren immer wieder auftretenden Erweckungsbewegungen, die das Gesellschaftsleben der USA durcheinander wirbelten und Motoren der Modernisierung waren. Sie sorgten für die friedliche Konkurrenz zwischen den Religionen, für den Beginn der Emanzipation von Frauen und Schwarzen, für die Alphabetisierung der Ärmsten, für den Beginn der Umweltschutzbewegung, für eine beständige Kritik am Imperialismus, der gerade von den säkularen Kräften der USA vorangetrieben wurde. Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts nehmen - im Zusammenhang einer beginnenden Suburbanisierung - Erweckungsbewegungen zu, die sich verstärkt in sozialen Fragen und im Streit zwischen Kreationisten und Darwinisten artikulieren. Folge war eine fatale Verengung des Glaubenslebens. |
Kontakt: email / Internetadresse |
| Pressefoto: Download |
| Worddatei: Download |
| >zurück |