| Mönter: Thomas Karlauf liest aus seiner George-Biographie: „Die Entdeckung des Charisma" |
| 22.02.2008 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Als Dichter, Prophet und Mittelpunkt eines Kreises ihm grenzenlos ergebener Jünger zählte Stefan George (1868 – 1933) zu den einflussreichsten Figuren der deutschen Geistesgeschichte. Das Denkmal, das sich der „Meister“ errichtete, war vielen Zeitgenossen allerdings zu hoch, und nach 1945 geriet der Poet in Vergessenheit. Nach mehr als siebenjähriger Vorarbeit legt nun Thomas Karlauf die erste George-Biographie in deutscher Sprache vor, aus der der langjährige Verlagslektor am Freitag, 22. Februar ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter in Osterath liest. Kaum einer weiß, dass Stefan George die deutsche Dichtung Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur auf neue Höhen brachte, sondern er um 1914 herum „Kult“ war. Sein Werk umfasst mit Titeln wie „Algabal“, „Das Jahr der Seele“, „Der Teppich des Lebens“, „der Siebente Ring“ oder „Das Neue Reich“ 18 Bände - überwiegend Lyrik, Übertragungen französischer und italienischer Dichtung, konsequent kleingeschriebene, kunstvolle, doch zum großen Teil wie aus der Zeit gefallene Verse. George übte zu seiner Zeit eine rätselhafte Faszination auf junge Menschen aus. Bei den 15- bis 25-Jährigen war die Verehrung für den suggestiven Poeten und Künder eines anderen Lebens vor dem Ersten Weltkriegs so verbreitet und übersteigert wie sie heute Popstars zuteil wird. Was viele bei diesem Dichter anzog, andere gegen ihn aufbrachte, war neben seinen glühenden Strophen die Selbstinszenierung als Künstler und Prophet, sein Protest gegen die Moderne und sein unbürgerliches Wanderleben ohne Familie, Wohnung und Besitzstreben. Der Kreis schwärmerisch begeisterter junger Männer diente beispielsweise dem Soziologen Max Weber als Modell der „charismatischen Herrschaft“. An der Person Georges lässt sich zeigen, was Macht über Menschen wirklich bedeutete. In seinem Werk finden sich zahlreiche Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus, viele sahen in ihm einen „Wegbereiter“. Und doch steht am Ende dieses Weges das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944: Verübt hat es Claus von Stauffenberg, einer der letzten Vertrauten Georges. Thomas Karlauf hat mit seiner George-Biographie zum ersten Mal Licht in das Halbdunkel der Legenden und Mystifikationen gebracht, die sich um den Dichter ranken. Seine zehnjährige Mitarbeit von 1974 bis 1984 bei der Amsterdamer Stiftung und Zeitschrift Castrum Peregrini, die im Auftrag des letzten Freundeskreises das Erbe des Dichters verwaltete, gaben ihm das Rüstzeug, über George und seinen Kreis zu schreiben. Das Ergebnis ist ein würdiges Denkmal für den umstrittenen Künstler sowie auch ein wunderbares, weit gespanntes, faszinierendes und farbig geschildertes Stück Zeit- und Sittengeschichte am Vorabend der deutschen Katastrophe. |
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