Mönter: Dr. Peter Dohms referiert zum Thema
„Die 68er-Bewegung in den
nordrhein-Westfälischen Hochschulen“
18.02.2008
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 5,-
Das Interesse an der Studentenbewegung in 1968 ist auch 40 Jahre danach ungebrochen und zwiespältig. Der Bösinghovener Dr. Peter Dohms, Historiker und Staatsarchivdirektor in Düsseldorf, referiert am Montag, 18. Februar ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter in Osterath zum Thema „Die 68er-Bewegung in den Nordrhein-Westfälischen Hochschulen“. Dohms, Herausgeber der Meerbuscher Stadtgeschichte, sieht die Studentenunruhen als eine internationale Protestbewegung, deren Anliegen sich an Missständen in Gesellschaft, Politik und Verwaltung entzündeten. Die in den 60er Jahren ausgemachten Defizite seien von den Studenten mit griffigen Formeln wie „Monopolpresse“, „Meinungsterror“ oder US-Imperialismus“ belegt worden.

Der Ablauf der Bewegung habe sich ab Mitte der 60er Jahre an den Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) sehr unterschiedlich gestaltet, informiert der Historiker, der mit seiner Expertise über die Verstrickung Carl Diems mit dem Nazi-Regime bundesweit Aufmerksamkeit erzielte. Im Vordergrund der 68-er Studenten hätten zunächst hochschulinterne Fragen der Mitbestimmung, der studentischen Versorgung sowie der Lehrbetrieb und die Examensprozeduren gestanden. Das Engagement der Studenten habe als Folge des Todesschusses auf den Berliner Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 und der daraus resultierenden Polizeieinsätze eine merkliche Steigerung erfahren. Die ausgelöste bundesweite Solidarisierung innerhalb der Studentenschaft habe mehr oder weniger alle Hochschulen, an denen nunmehr auch allgemeinpolitische Missstände stärker artikuliert wurden, erfasst.

Obwohl das Jahr 1968 in NRW recht glimpflich abgelaufen sei, habe es bundesweit eine Wende markiert, denn die Bewegung habe zusehends an Schwungkraft und Akzeptanz in der Bevölkerung verloren. Innerhalb der Studentenschaft hätten sich politische Kadergruppen mit mehr oder minder orthodox-kommunistischer beziehungsweise maoistischer Zielsetzung gebildet, referiert der Herausgeber und Autor zahlreicher Bücher mit heimatkundlichem Bezug. In NRW besonders verbreitete Organisationen waren der DKP-nahe Bund „Spartakus“ sowie die „Roten Zellen“. Wichtiges Mittel ihrer Agitation seien Vorlesungsstreiks, Störungen von Lehrveranstaltungen, Senatswahlen und Verfassungskommissionen gewesen.

Im weiteren Verlauf hätten sich die politischen Anliegen und Mentalitäten weiter gewandelt: Gefragt waren nun weniger revolutionäre Disziplin und völlige Unterordnung des Privatlebens unter die Ziele der jeweiligen linksextremen Kaderorganisation sondern vielmehr die Emanzipation des Individuums und die Entwürfe einer Alternativkultur. Statistische Erhebungen hätten gezeigt, dass die protestierenden Studenten Nordrhein-Westfalens meist aus konservativen, bürgerlichen Elternhäusern stammten und vielfach katholisch geprägt waren. Die Frage nach ihrem „Erfolg“ ist von den zeitgenössischen Akteuren unterschiedlich beantwortet worden. Dohms zeigt in seiner Lesung beide Möglichkeiten auf. Was für die einen der Gipfelpunkt der Menschheitsgeschichte war, ist für die anderen – etwa den Publizisten Johannes Groß – eine „Revolution, die an Dummheit ihresgleichen sucht“.

 

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