| Mönter: Helmut Braun liest zu ihrem 20. Todestag Werke von Rose Ausländer |
| 08.02.2008 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Die Lyrikerin Rose Ausländer starb 1988 im Elternheim der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Zum Gedenken an ihren 20. Todestag stellt Helmut Braun am Freitag, 8. Februar ab 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter in Osterath ihr Leben und ihre Werke vor und erzählt aus seiner 13-jährigen Zusammenarbeit mit ihr. Rose Scherzer begann 1919 das Studium der Literatur und Philosophie in Czernowitz, brach es aber ein Jahr später nach dem Tod ihres Vaters ab. Mit ihrem Studienfreund Ignaz Ausländer wanderte sie in die USA aus, wo die beiden heirateten. Die Ehe hielt nur drei Jahre. Rose Ausländer kehrte wegen ihrer kranken Mutter nach Czernowitz zurück und lernte dort den Graphologen Helios Hecht kennen. Nach dem Bruch mit ihm ging sie 1936 nach Bukarest. Drei Jahre später erschien ihr erster Gedichtband „Der Regenbogen“. Der größte Teil der Auflage wurde eingestampft, nachdem die Stadt 1941 durch feindliche Truppen erobert wurde. Ausländer musste mit ihrer Familie ins Ghetto ziehen. Zwei Jahre lang lebte sie dort, ein weiteres in Verstecken, um der Deportation zu entgehen. Im Ghetto lernte sie Paul Celan kennen, unter dessen Einfluss sie ihren Stil modernisierte und sich von ihrem klassisch-expressionistischen Ton löste. 1944 marschierte die Rote Armee in Czernowitz ein. Ausländer verließ das Land in Richtung New York. Celan sah sie erst 13 Jahre später wieder. Die traumatisierenden Ereignisse der Verfolgung hatten sie physisch wie psychisch gezeichnet. Sie wechselte zum Englischen. Erst 1956 begann sie wieder, Texte auf Deutsch zu verfassen. Ihr zweiter Gedichtband „Blinder Sommer“ wurde 1965 enthusiastisch begrüßt. Ein Jahr später ging Ausländer nach Deutschland. An der stärker werdenden öffentlichen Resonanz konnte sie wegen einer Arthritis nicht mehr direkt teilhaben. Ausländer reduzierte den Kontakt zu Menschen. Wichtigste Bezugsperson neben ihrem Bruder Max Scherzer war Helmut Braun. Ihm diktierte sie in den letzten Jahren auch ihre Texte, weil sie wegen der Gelenkerkrankung selbst nicht mehr selbst schreiben konnte. Letztmalig konnte Braun jetzt aus ihrem Nachlass einen Band mit unveröffentlichten Gedichten herausgeben. Das Buch erschien im Herbst des vergangenen Jahres unter dem Titel „Deiner Stimme Schatten“. Voraussetzung dafür war, dass er den umfangreichen Nachlass der Dichterin im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf sorgfältig sichtete. Braun fand mehr als 60 Gedichte, sechs Kurzprosatexte sowie Auszüge aus Briefen und Notizen mit poetologischen Äußerungen. Damit gestaltete er einen Band, der den Büchern, die zu Lebenszeiten publiziert wurden, in nichts nachsteht. Sollten keine neuen Texte außerhalb des Überrests mehr auftauchen – was mehr als wahrscheinlich ist – ist mit „Deiner Stimme Schatten“ die Publikation der Werke von Rose Ausländer endgültig abgeschlossen. |
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