| Willms' Balzac-Biographie bei Mönter Er schrieb einen Literatur-Kosmos und aß Birnen in riesigen Mengen |
| 23.11.2007 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
„Es gibt für mich nichts Erstaunlicheres als mich selbst“, hat der französische Schriftsteller Honoré de Balzac einmal gesagt. Und auch heute noch halten ihn Heerscharen begeisterter Leser, für einen der erstaunlichsten Autoren, die von der Literaturgeschichte jemals hervorgebracht wurden. Anlass genug, dem laut zahlloser berühmter Kollegen größten Romancier aller Zeiten eine ihm gemäße Biographie zu verfassen. Etwa zeitgleich mit der bei Diogenes jüngst erschienenen revidierten Neuausgabe der schönsten Romane und Erzählungen Balzacs hat Johannes Willms die anspruchsvolle Aufgabe, der selbst romanhaften Vita des Literatur-Evergreen-Genies mit einer kundigen Feder gerecht zu werden, im Resultat würdig bewältigt. Im Kulturzentrum Osterath, Buch- und Kunstkabinett Mönter stellt er seine große neue Balzac-Biographie am Freitag, 23. November, ab 19 Uhr lesend zur Kritik. Der Eintritt zur Lesung beträgt fünf Euro, bei Buchkauf werden fünf Euro erstattet. Ruhm, Geld und Liebe, all das schien für Balzac immer in Reichweite zu sein, blieb ihm aber doch zeitlebens verwehrt. Der ausgewiesene Biograph Johannes Willms, dessen Napoleon-Biographie zuletzt ein großer Kritiker- und Verkaufserfolg war, schildert mit Verve, was Balzac umtrieb, im Leben wie in der Kunst. Willms ist von Hause aus Historiker und Journalist. Er leitete die „Aspekte“-Redaktion beim ZDF und war Feuilletonchef der Süddeutschen Zeitung, für die er nun als Korrespondent in Sachen Kultur aus Paris berichtet. Er hat zahlreiche Bücher zur deutschen und französischen Geschichte geschrieben und gilt fraglos als einer der anregendsten historischen Publizisten dieser Republik. Mit seiner „Menschlichen Komödie“ hat Balzac so etwas wie ein Gegenstück, eine Ergänzung zu Prousts Monumental-Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ in Angriff genommen. Wollte er doch nichts Geringeres als mit der Feder zu vollenden, was Napoleon mit dem Schwert begonnen hatte: die Eroberung der Welt. Zwar wurde auch Balzac nicht ganz fertig mit seiner „Menschlichen Komödie“, aber - so die Neue Zürcher - „er hinterließ doch das kompletteste Universum, das je ein menschlicher Kopf erdachte: 91 Romane, die mehr als 13000 Seiten umfassen und 2472 Personen auftreten lassen. Fjodor Dostojewski nannte ihn daher einen „weltumfassenden Geist“. Balzac lebt. Was war er für ein Mensch, dieser Balzac, der sein für Einsteiger geeignetestes Buch, den „Vater Goriot“ - weil darin im Kleinen der gesamte Kosmos des Autoren-Genies gespiegelt scheint - in nur vierzig Tagen schrieb? Wobei er sich knapp 80 Stunden Schlaf gönnte. Gesagt werden mag dank verlässlicher Quellen, dass bei ihm die mitunter mönchische Enthaltsamkeit jäh in wilde Orgien umzuschlagen vermochte, von denen eine minder widerstandsfähige Konstitution zermürbt worden wäre. Vor allem befiel ihn bei solchen Gelegenheiten eine maßlose Gefräßigkeit, die Rabelais´ Entzücken vermocht hätte hervorzurufen. Balzacs Verleger Werdet erzählte, dass das Genie Balzac bei solchem Mahl an die einhundert Austern, zwölf Lammkoteletts, eine Ente, zwei Rebhühner, eine Seezunge nebst einem Dutzend Birnen fast allein aufgezehrt hatte. Am liebsten mochte er Hammelkoteletts, guten alten Bordeaux und guten schwarzen Mokka. Und auch Birnen verschlang er in riesigen Mengen. |
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