| Dr. Georg Cornelissen liest bei Mönter „Wie spricht der Niederhein“ oder „Warum gibt es Mäuseköttel nicht? |
| 12.11.2007 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
„Der Niederrhein und sein Deutsch - Sprechen tun et fast alle“ ist eine Lesung betitelt, die Dr. Georg Cornelissen, Autor des gleichnamigen Buches, am Montag, 12. November, für alle, die mit Spaß und Empirie etwas über linguistische Ticks, Kniffe und Schrulligkeiten der Flach-Region erfahren wollen, zum Besten gibt. Ort dieses netten Geschehens ist ab 19 Uhr das Osterather Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz. Der Eintritt zu der sowohl heimatkundlichen wie literarischen Veranstaltung mit aus ernsthaftester Recherche (auch bei Hüsch) destilliertem Humor beträgt fünf Euro. Cornelissen weiß, wovon er spricht, wenn er zum Beispiel der Frage zuleibe rückt, wie Mensch Mäusekötel schreibt - hier am Niederrhein. Schreiben Sie „Mäusekötel“ in den heimischen PC, dann zeigt das Rechtschreibprogramm Ihnen an, „dass mit diesem Wort etwas nicht stimmt. Sie korrigieren zu Mäuseköttel - und schon schein alles in Ordnung zu sein. Wenn Sie dann aber sicherheitshalber zum Duden-Rechtschreibwörterbuch greifen, werden Sie eines Besseren belehrt. Es müsse Kötel heißen, steht da.“ Köttel kommt nicht vor. Und doch sei der Niederrheiner mit der Aussprache „Köttel“ bestens vertraut. Ist nun der PC nicht nur unser heimischer, sondern ein heimlicher Niederrheiner? Cornelissen weiß auch in komplizierteren regional-sprachlichen Fragen, wovon er spricht, wenn er Lösungen anbietet, nahe legt oder vorsichtig andeutet. Natürlich bleibt einer solchen Persönlichkeit von Sprache wie dem Niederheinischen immer ein gewisses Restgeheimnis. Und das will auch der Sprachwissenschaftler beim Landesverband Rheinland, Amt für die rheinische Landeskunde Bonn, gar nicht wegdiskutieren. Er möchte dem Leser nur vertrauensvoll zurufen „Komm bei mich bei“ und ihm Augen öffnen für Fremdes - die Exotik im vermeintlich Alltäglichen. Cornelissen steckt tief im Metier, hat er doch schon zahlreiche Veröffentlichungen zu den Dialekten und Regiodialekten im Rheinland, zu Sprachgeschichte und der grenzübergreifenden niederländisch-deutschen Dialektforschung veröffentlicht. Sein aktuelles Buch zeigt anhand vieler Beispiele, Geschichten und Sprachkarten die Vielfalt der regionalen Sprache am Niederrhein. Darüber hinaus handelt es von Sprachverwendung und -bewertung, Sprachverachtung und Sprachförderung. Welches Verhältnis haben Menschen am Niederrhein zu ihrer eigenen Sprache? Wer mit Sätzen wie „Tus du noch wat trinken?“ oder „Gibbet da noch mehr von“ sympathisiert, wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen. Niederrheinische Sätze wie „Lecker warm hier!“ oder „Hasse se noch all?“ am Hochdeutschen messen und nach Fehlern oder Defiziten suchen zu wollen, wäre grundverkehrt. Es handelt sich vielmehr um eine Sache des Charmes, wie uns der selige Hüsch so oft und herrlich finnig nahezubringen suchte. Jedenfalls wird auf nicht weniger als 19 Sprachkarten der Reichtum des regionalen Wortschatzes erfahrbar und die räumliche Gliederung transparent. Wo sagt man nun „Söller“, „Speicher“ oder „Dachboden“. Wo nennt man eine Dachrinne „Kalle“? Wo kennen die Menschen nicht nur „dat Auto“, sondern auch „der Auto“? |
Kontakt: email / Internetadresse |
| Pressefoto: Download |
| Worddatei: Download |
| >zurück |