| Prof. Gössmann referiert bei Mönter Goethes 175. Todestag und die unsterblichen Frauen im Faust |
| 10.09.2007 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Vornehmlich um die Frauengestalten in Goethes „Faust“ dreht sich der Vortrag des renommierten Literaturwissenschaftlers und Autors Prof. Dr. Wilhelm Gössmann, den er aus Anlass des 175. Todestages des Dichters in den Räumen des Buch- und Kunstkabinetts Mönter am Kirchplatz 1-5 in Osterath halten wird. Am Anfang steht der berühmt-berüchtigte Teufelspakt, den Mephisto dem Geistesmenschen Faust listig schmackhaft zu machen weiß, so dass fortan in dem bedeutenden Werk der Literatur eine symbiotische Verbindung des Teuflischen mit dem zu den weltlichen Genüssen und Exzessen strebenden Faust sich manifestiert. Dass im Mittelpunkt des faustischen Wünschens das Weibliche, die Frau und mit ihr assoziierte Erfüllungen fleischlicher wie seelischer Gelüste Hand in Hand gehen, ist nicht so überraschend. Interessant ist in der Sicht Gössmanns aber jene Abneigung der zwei Protagonistinnen Gretchen (Faust I) und Helena (Faust II), die sie jenen mephistophelischen Aspekten aus natürlicher Ahnung entgegenbringen. Der Vortrag wird Montag, 10. September, ab 19 Uhr gehalten. Zu der Veranstaltung wird ein Eintritt von fünf Euro erhoben. In seinem Begehren nach vollkommener Einsicht und Sinnhaftigkeit scheitert Faust nun gerade wegen seines Paktes, den er so mutig und beherzt zu schließen wagte. Das will Gössmann anhand der Konzentration auf die beiden Frauengestalten, die in den Fokus des Faustischen geraten, gleichsam spürbar machen. Doch Inanspruchnahme mephistophelischer Hilfe ist zwangsläufig gleichzusetzen einer Verwehrung von all dem Sinnvoll-Bleibenden, die Wünsche nach Liebes-Erfüllung erst Beflügelndem. Im Kommentar von Erich Trunz heißt es sinngemäß zu diesem zentralen Dilemma: Die Bilder aus Fausts Leben, im Drama vorgeführt, zeigen keine Entwicklung, sondern das Problem des Strebenden, des Maßlosen, Grenzenstürmenden, das sich in verschiedenen Lebensbereichen erneuert, fortwährend wiederholt. Jedesmal folgt die Erfahrung der Grenzen des Ich. Faustens Sehnsucht greift fehl, vermischt Hohes und Niederes und verstrickt sich dadurch immer tiefer ins Irdische. Maßlosigkeit und die eng damit zusammenhängende Verzweiflung führen ihn dazu, den Pakt mit dem Teufel zu schließen. Doch bei allen seinen Ausgriffen ist Faust bis zum Schluss so sehr verstrickt in die Netze des Mephistopheles, dass dessen Böses und Vernichtung stets den Sieg davontragen. Gössmanns Anliegen ist es nun, in seinem Faust-Vortrag eine Rezeptionshaltung dem Zuhörer an die Hand zu geben, die ein um eine Vielzahl Details reduzierte Klarsicht des komplexen Stoffes ermöglicht. Helena und Gretchen wollen mit Mephisto nichts zu schaffen haben; auch nicht mit dem in Symbiose mit Faust Inkarnierten. Intuitiv sträuben sie sich gegen dessen Intrigen in Faustens werbendem Handeln. Und selbst wenn Mephistopheles sich gern als sehr aufklärerischer Genosse einwebt in das vielfältige Geschehen, so bringt er doch den weiblichen Aspekt in dieser großen literarischen Gestalt Faust zum Erliegen. Einklang mit dem ewigen Weiblichen, das uns zieht hinan, scheint ihm verwehrt. Die Sicht Gössmanns auf Mythen und Ängste im Kulturchristentum ist versöhnlich, will Neu-Gier wecken auf Goethes „Faust“. „Sympathie for the devil“: ein Weltgesetz, das Verteufelungen erst recht Nasen dreht? |
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