| Böllinger rezitiert bei Mönter Goethe Die Magie in den zeitlos poetischen Erinnerungen des Dichterfürsten |
| 14.09.2007 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Sie haben sich in Osterath schon zu einer liebgewordenen Tradition entwickelt: die Rezitationsabende mit Johannes Böllinger im Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz 1-5. Der nächste findet statt am Freitag, 14. September, 19 Uhr - und steht im Zeichen Johann Wolfgang von Goethes 175. Todestag. Motto: Goethe in seinen Gedichten begegnen. Unterteilt ist der Abend in jene Phasen, die ein - zumal schöpferisches - Leben begleiten, mitunter zu erschüttern, jedoch auch unendlich zu beglücken pflegen. Das „Liebesbedürfnis“ steht am Beginn. „Die erfüllte Liebe“ und Einsicht ihrer Zweiheit vertiefen das Ende. Der Eintritt zum Vortrag beträgt fünf Euro.Jeder Buchstabe hat seine Bedeutung im Gedicht, jedes Komma und jeder Punkt sind aufgeladen mit Sinn. Die Pause im Vortrag ist unerlässlicher Teil des Ganzen. Das Gedicht ist eine hochkomprimierte Meditation, und sie will mit dem ihrer Form gerecht werdenden Atem übermittelt sein, der ihren Inhalt zum Leuchten bringt. Ein Gedicht ist ein Gefäß, in dem Form und Inhalt eins werden im Idealfall. Um solche Hörerlebnisse zu schaffen, pflegt Johannes Böllinger höchste Präzision in seinem Vortrag und in seiner Vorbereitung auf denselben. Das Leben des Dichters ist von Bedeutung, weltpolitische Ereignisse im Hintergrund und persönliche Dinge der Auseinandersetzung mit Existenz, Krise und Erweiterung, mit Geburt und Tod. „Erster Verlust“, „Der Gesang der Geister über den Wassern“. „Gefunden“. Letzteres bezieht 25 Jahre Liebesgemeinschaft zu Christiane Vulpius ein. Gerechnet ab dem ersten zärtlichen Beisammensein in jener Gartenlaube. „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide“. Gedichte sind immer die Essenz. Diskret zwar, nicht ungeeignet zu Verallgemeinerungen, doch persönlich und aus tiefem Herzen wie kaum je ein Stück Prosa. „Wanderers Nachtlied“, „An den Mond“. Der Hörer einer Rezitation durch Böllinger wird Zeuge innerseelischen Geschehens, wie es sich ereignete: jeder Zeitlichkeit enthoben. Bezeichnend auch für die merkwürdigen religiösen Unruhen der Gegenwart ist die Tatsache, dass Böllinger nicht ohne Grund den Beginn des zweiten Teiles seines Poesie-Vortrages mit Gedichten aus dem „Westöstlichen Diwan“ unter das Motto „Erfüllte Liebe“ stellt. Immer wieder die Erinnerung an eine grundlegende Einheit, die ganz mit Gegenwart zu verschmelzen scheint, die Unterschiede aufgehoben. In stiller Betrachtung eines Gingkoblattes, überschrieben mit „Gingko biloba“: „Dieses Baumes Blatt/das von Osten/meinem Garten anvertraut/gibt geheimen Sinn zu kosten.“ Zweigeteiltheit, Zweiheitsriss der einen Liebe. „Alles geben die Götter, die unendlichen,/ ihren Lieblingen ganz/ alle Schmerzen, die unendlichen/ alle Freuden, die unendlichen,/ ganz.“ Erst, wenn dieser reiche und zerrissen schmerzliche Kelch bis zur Neige ausgekostet ist, darf es heißen: „Über allen Gipfeln ist ruh“. Tief erinnern nimmt alle Sehnsucht auf in die Einheit. Der Wunsch, sich Gedichte zu erschließen, erwuchs beim heute 74-jährigen Böllinger im Gespräch mit einer Schauspielerin über das Wesen von Auswendiglernen und der Rezitation von Texten. Fortan huldigt er Klangbild, Assoziation und ihrer Magie. |
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