| Johannes Böllinger rezitiert bei Mönter Gedichte zum Thema „Frühling“, die nach einem neuen Erwachen klingen |
| 04.05.2007 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Der Rezitator Johannes Böllinger ist aus dem Veranstaltungsreigen im Kulturzentrum Osterath, Buch- und Kunstkabinett Mönter nicht mehr wegzudenken. Gerade die an Jahreszeiten gebundene Auswahl großer Poesie erfreut sich als innerlicher Taktgeber und den Horizont erweiternde Erbauung gleichermaßen der Beliebtheit. Böllinger gibt zu den frei vorgetragenen Gedichten nämlich auch kenntnisreiche Erläuterungen. Am Freitag, 4. Mai, steht natürlich, wie sollte es anders sein, der holde Frühling auf seinem Programm. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt zu ihr beträgt fünf Euro.„Saatengrün, Veilchenduft,/ Lerchenwirbel, Amselschlag,/ Sonnenregen, linde Luft!/ Wenn ich solche Worte singe,/ braucht es dann noch großer Dinge,/ Dich zu preisen, Frühlingstag?“ So fragt rhetorisch dieses Gedicht von Ludwig Uhland. Und dennoch: Böllinger zeigt, dass ihm ein unermessliches Spektrum zur Verfügung steht, bereichernd und nicht überflüssig, die herrliche Jahreszeit zu preisen. Vom Vorfrühling bis zu Blüten im Mai, von den Rilke-Sonetten an Orpheus bis Hugo von Hofmannsthal („Es läuft der Frühlingswind durch kahle Alleen“) und Heinrich Heine („Im wunderschönen Monat Mai“) beweist Böllinger, mit welcher Fülle von Worten, Klang, Reim und Versmaß einem so beschwingten und beschwingenden Abschnitt im Jahreszeiten-Zyklus gehuldigt werden kann, ohne dass Wiederholung zu beklagen wäre. Dem in Mönchengladbach lebenden Rezitator ist gegeben, den von ihm gewählten Gedichten Leben einzuhauchen. Der Wunsch, sich Lyrik zu erschließen, erwuchs beim heute 75jährigen Johannes Böllinger im Februar des Jahres 2004 im Gespräch mit einer Schauspielerin. Darin ging es im weitesten Sinne um das Wesen von auswendig gelernten Texten und des Auswendig-Lernens von Texten an sich. Hier erfuhr er, dass jedem Text ein eigenes, hoch komprimiertes Klangbild innewohnt. Parallel dazu laufe bei der Rezitation eine Art Film ab, der voll vom Text geweckter, an Bildern reicher Assoziation dazu sei. Fasziniert von solcher Tiefe und den Möglichkeiten ihrer nuancenreichen Auslotung und Vermittlung war der ehemalige Pädagoge so interessiert an dem ihm geradezu magisch erscheinenden Metier, dass er damit begann, sich auf die ihm eigene, systematische und strukturierte Art und Weise deutsche Lyrik anzueignen und zu erschließen. Zunächst seien es 90 Gedichte gewesen, die er habe lernen wollen. Sie umfassten ein Spektrum, das von dem Minnesänger Walther von der Vogelweide (1170 bis 1230) bis zu Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) reicht. Doch bald schon fächerte sich Böllingers „Begegnung in Gedichten“ immer mehr auf. Er habe nicht wirklich suchen müssen. Die Gedichte seien ihm zugeflogen, erinnert er sich. Inzwischen kann Johannes Böllinger mehr als 300 Gedichte auswendig vortragen. Bis zum Jahr 2012 sollen es 600 sein, immer je 50 zu auf Themen oder Dichter bezogenen Vorträgen zusammengefasst. Annähernd 20 Bücher hat er bereits fertig. Auf feinstes blaues Rössle-Papier überträgt er die Poesie in silberner Schrift. Gebunden sind die Werke ebenfalls in Silber. Gegliedert sind sie nach Themen-Schwerpunkten wie „Leben in Gedichten“, „Sinn suchen in Gedichten“; ein Teil der prachtvollen Bücher ist einzelnen Dichterinnen und Dichtern gewidmet. Die Bände versieht Böllinger immer auch mit Sekundär-Literatur oder Kommentaren, die er entsprechender Literatur entnimmt. |
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