Barbara Bongartz liest bei Mönter
„Der Tote von Passy“ spiegelt der
Autorin Wunden ihrer Adoption
02.03.2007
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 5,-
Die Autorin Barbara Bongartz liest dort, wo sie einst eine Zeit lang gearbeitet hat, im Osterather Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz 1-5 aus ihrem soeben erschienenen Buch „Der Tote von Passy“. Es handelt sich um einen mutigen, weil sehr offen autobiografischen Roman zum Thema Adoption. Einerseits ein spannender Krimi voller Wendungen, die überraschen, verströmt die Frage der eigenen Herkunft hier eine Dringlichkeit, die die damit einhergehende Erschütterung des Ich zur konstanten Bedrohung macht. Die vielfach ausgezeichnete Romanautorin lässt in diesem unverhohlenen Werk die Grenze zwischen Literatur und Leben so verstörend wie erhellend verschwimmen. Der Eintritt am 2. März ab 19 Uhr beträgt fünf Euro.

Bereits in ihrem Kindesalter empfindet die Protagonistin Barbara Bongartz gegenüber den Eltern eine unerklärliche Fremdheit. Als sie 14 Jahre alt wird, eröffnet ihr der „Vater“ schließlich, dass sie als Baby adoptiert wurde. Gleichzeitig nimmt er der Tochter das Versprechen ab, das bisher so schamhaft gehütete Familiengeheimnis für sich zu behalten. Damit wird die Erlösung von der quälenden Unwissenheit zu einer Bürde, die Barbaras Entfremdung von der Umwelt noch verstärkt. Nach Jahrzehnten der Verdrängung erreicht die Protagonistin ein mysteriöser Trauerbrief, in dem steht: „Ich gehe davon aus, dass der Name, den Sie führen, nicht Ihr ursprünglicher Name ist. Unter dieser Voraussetzung setze ich Sie davon in Kenntnis, dass Ihr Vater, M. Alphonse Steiner, am kommenden Freitag, 14. Dezember, in Paris beigesetzt wird.“ Wer ist der Absender der anonymen Nachricht, und ist der Tote wirklich der lang gesuchte „richtige“ Vater? Nur kurz zögert sie, dann begibt sie sich auf den Weg nach Frankreich. Getrieben von den Ereignissen, beginnt Barbara Bongartz eine intensive und schmerzhafte Suche nach den eigenen und zugleich auch den fremden familiären Wurzeln, der Identität.

Barbara Bongartz erblickte das Licht der Welt 1957 in Köln. Sie studierte Theater- und Filmwissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie in Paris, München und Köln. Es folgte die Veröffentlichung von Erzählungsbänden und Romanen, zum Beispiel „Von Caligari zu Hitler - von Hitler zu Dr. Mabuse, Eine psychologische Geschichte des Deutschen Films von 1948 bis 1962“ (1990), die Erzählungsbände „Das Böse möglicherweise“ (1994) und „Stücke fürs Herz“ (1995), später „Inzest oder Die Entstehung der Welt, Roman in Briefen von Barbara Bongartz mit Alban Nikolai Herbst“ (2002). Barbara Bongartz erhielt für ihr literarisches Werk diverse Auszeichnungen: den Förderpreis und das Arbeitsstipendium der Stadt Düsseldorf (1998). 1999/2000 war sie Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude, es folgte ein Arbeitsstipendium im Künstlerhaus Lucas in Ahrenshoop (2001). 2005 las sie beim renommierten Klagenfurter Bachmann-Preis. Nach Stationen in Düsseldorf und New York wohnt sie seit 2003 in Berlin.

Der Roman „Der Tote von Passy“ ist soeben im Berliner Dittrich Verlag erschienen. Es ist ein leises, eindringliches Werk, das die Frage nach der eigenen Identität stellt, die jeder Leser aber am Ende doch für sich selbst beantworten muss. Barbara Bongartz regt mit ihrer schnörkellosen Sprache genau dazu an.

 

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