| Edgar Hilsenrath liest bei Mönter Der neue Roman dokumentier die Odyssee mit „Berlin ... Endstation“ |
| 10.11.2006 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Seinen jetzt erstmalig veröffentlichten Roman „Berlin ... Endstation“ stellt der seit gut 30 Jahren in der Hauptstadt lebende jüdische Autor Edgar Hilsenrath Freitag, 10. November, 19 Uhr im Osterather Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz 1-5 vor. „Berlin ... Endstation“ erscheint im Rahmen einer Werkausgabe in zehn Bänden, die vom Berliner Dittrich Verlag herausgegeben wird. Hilsenrath ist ein Autor von hohem Rang. International bekannt ist sein Roman „Der Nazi & der Friseur“. 1989 wurde der Schriftsteller mit dem Alfred-Döblin-Preis geehrt, 1992 mit dem Heinz-Galinski-Preis, 1994 mit dem Hans-Erich-Nossack-Preis, 1999 erhielt er den Hans-Sahl-Preis und 2004 den Lion-Feuchtwanger-Preis. „Wie kaum ein anderer hat er die deutsche Katastrophe ... in wortgewaltigen Erzählungen voller Witz, saftiger Sinneslust und epischen Verästelungen in die Niederungen des Menschlichen festgehalten“, schrieb die Berliner Zeitung. Der Eintritt zu der sehr besonderen Lesung beträgt fünf Euro.Hilsenraths Roman „Berlin ... Endstation“ trägt stark autobiografische Züge. Er ist als ein Geschenk des Autors zu betrachten, dass er anlässlich seines 80. Geburtstages am 2. April seiner Leserschaft macht. Hilsenraths Heimat liegt in der deutschen Sprache. Geboren wurde er 1926 in Leipzig. Volksschule und Mittelschule besuchte er in Halle an der Saale. Als das einzige jüdische Kind in der Klasse war er bald der antisemitischen Hetze sowohl der Mitschüler als auch der Lehrer ausgesetzt. 1941, als die Familie sich in die Bukowina zurückgezogen hatte, „beschloss die rumänische Regierung, sämtliche Juden aus Bessarabien und der Bukowina (Gebiete, die nach dem Ersten Weltkrieg von Rumänien annektiert wurden) über die alte russische Grenze abzuschieben“, schreibt Hilsenrath in einer Kurzbiografie. „Man brachte uns ins jüdische Ghetto der ukrainischen Ruinenstadt Moghilev-Podolsk am Dnjestr. Viele Deportierten wurden erschossen. Im Ghetto herrschten Hunger und Typhus.“ Hilsenrath überlebte das große Sterben und wanderte gegen Kriegsende für einige wenige Jahre nach Palästina aus. Die im Krieg versprengte Familie fand sich 1948 in Frankreich wieder zusammen. Hilsenrath übersiedelte 1951 nach Amerika. Sein Bruder etwas früher. Die Eltern kamen 1953 nach. Nur diese wenigen Einblicke in die Odyssee des Edgar Hilsenrath geben einen Eindruck von den Verwickeltheiten dieses Lebens in Gewalt, Demütigung, gewitztes Taktieren, immer neue Versuche, sich den sich ständig wandelnden Gegebenheiten, die lebensbedrohlich wurden, anzupassen. Die Aufmerksamkeit, die gefordert ist, wenn man so auf der Hut sein muss, nie die richtige, vielleicht einzige Gelegenheit versäumen darf, sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Es braucht viel innere Wärme, um sich solcher äußeren Kälte zu erwehren, wie sie Hilsenrath völlig schuldlos erleben musste. Und die Wärme finden Leser in seinen Büchern. Bei allem dort schonungslos geschilderten Schrecken ist sie gegenwärtig wie auch Humor, Augenzwinkern und Lächeln über die Absurditäten, die Existenzen bedrohen. Edgar Hilsenraths Heimat ist die deutsche Sprache. Auf eine sehr tiefe, vielleicht traurige Art liebt er Deutschland, auch wenn es ihm in seiner Gesamtheit nur mehr ein Holocaust-Mahnmal sein kann. |
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