| Kirchenhistoriker Wolf bei Mönter „Wissenschafts-Krimi“ über die vom Vatikan verbotenen Bücher |
| 19.06.2006 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 5,- |
Der bekannte Kirchenhistoriker Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster, stellt Montag, 19. Juni, 19 Uhr, im Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz 1-5 in Osterath sein aktuelles Buch „Index“ vor. Der Untertitel verrät, worum es in dem auf historisch-kritischer Forschung basierenden Werk geht: „Der Vatikan und die verbotenen Bücher“. In dem sich an Tatsachen orientierenden „Wissenschafts-Krimi“ beschreibt Wolf, welche Schriften verurteilt wurden, und warum selbst die Bibel verboten sein konnte. Wolf ist aus mehreren Gründen für diese aufklärerische Arbeit prädestiniert. Systematisch werden die geheimnisumwitterten Unterlagen von der von ihm geleiteten Forschungsgruppe analysiert und ausgewertet. 2003 wurde der Wissenschaftler, der schon sechs Jahre vor ihrer offiziellen Öffnung im Jahr 1998 unbeschränkten Zugang zu den Archiven der Glaubenskongregation genoss, als erster Theologe mit dem Leibnitz-Preis, dem mit 1,55 Millionen Euro höchst dotierten deutschen Forschungspreis, und ein Jahr darauf mit dem Communicator-Preis ausgezeichnet. Der Eintritt zu der Lesung beträgt fünf Euro.Mit einer Datenbank aller Zensurfälle und Mitarbeiter von Inquisition und Index von 1542 bis 1917 erarbeiteten Wolf und seine Wissenschaftler eine auch interdisziplinär nutzbare Basis. „Für jede Wissenschaft bietet dieses Index-Archiv Schnittstellen“, so Wolf. Die Theologie müsse sich daher nicht scheuen, in den Diskurs einzutreten, der von unterschiedlichsten akademischen Fachbereichen gepflegt werde. Wolf, der sich als kritischer Theologe versteht, stellt seiner Kirche in dem Buch daher auch die unangenehmsten Fragen. So etwa die nach dem Verhältnis Kirche und Juden. Er zeigt anhand von Beispielen, wie Buchzensuren auch die Leidensgeschichten betroffener Theologen nach sich zogen. Andererseits werden auch die gängigen Vorurteile in Frage gestellt, die sich um die Inquisition ranken. Durch die römische Inquisition sei zum Beispiel keine einzige Hexe auf den Scheiterhaufen gekommen, so Wolf. Dem Feuer zum Opfer fielen Druckwerke. „Das Christentum ist eine Buchreligion - und doch oder gerade darum verbrennt es Bücher“, heißt es im Klappentext zu „Index“. Wolf bietet einen Überblick über Entstehung, Geschichte und Arbeitsweise der Indexkongregation und beschreibt, wie Bücher in ihr Visier gerieten, wer die Zensoren waren, die die „gefährlichen“ Bücher lasen, und welche Folgen eine Verurteilung hatte. Er erzählt von überraschenden Prozessen und Urteilen, etwa gegen den „Knigge“ und „Onkel Toms Hütte“, gegen Leopold von Rankes Papstgeschichte oder Werke von Heinrich Heine und Karl May. Im Vatikan lagert eine Fülle aufschlussreichsten Materials an Wissenskultur mit negativem Vorzeichen. Seit 1992 hat Hubert Wolf Zugang zu dem unschätzbaren Fundus. Als er während der Dissertation Akten über einen Prozess aus den Inquisitionsarchiven benötigte, habe er bei Kardinal Ratzinger, ehemals Leiter der Glaubenskongregation und heutiger Papst, nichts erreicht. Die Rekonstruktion des Falles sei ihm jedoch gelungen. Aufgrund des Buches habe er fortan unbeschränkten Zugang zu den Archiven erhalten. Seit 1999 sitzt Wolf als einziger Deutscher im wissenschaftlichen Kongregations-Beirat. |
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