| Prof. Peter-André Alt liest bei Mönter: Kafka-Biographie im Strudel der Erkenntnisströmungen seiner Zeit |
| 24.03.2006 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 10,- |
Franz Kafka ist der wirkungsmächtigste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gilt bis heute als Inbegriff des Dunklen, Mehrdeutigen, faszinierend Unheimlichen. Im Rahmen des KulturFrühlings im Osterather Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter stellt Professor Dr. phil. Peter-André Alt dort Freitag, 24. März, ab 19 Uhr die von ihm verfasste, umfangreiche Biographie „Franz Kafka - Der ewige Sohn“ vor, die Kafkas Leben und seine literarische Arbeit in den Zusammenhang der großen kulturellen Strömungen der Zeit von 1880 bis 1920 einordnet. Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt zehn Euro, fünf Euro sind darauf anrechenbar beim Kauf des Buches.„Franz Kafka - Der ewige Sohn“ präsentiert den Flaneur und den Einsamen, den Reisenden und den Ängstlichen, den Asketen und den Liebenden, den Ekstatiker und den Skeptiker, den Spezialisten des Schreckens und den Meister der Ironie. Kafkas künstlerische Individualität wird aus ihrer besonderen Stellung zwischen jüdischem Mythos und europäischer Moderne neu verständlich - als Besitz eines ewigen Sohns, der sich am Anfang und am Ende aller Überlieferungen stehen sieht. Kafka hat Leben und Schreiben als Einheit betrachtet und darauf seine Identität gegründet. Seine zerbrechliche Ich-Konstruktion blieb gebunden an die Höhen und Tiefen der literarischen Arbeit. Alts Biographie verknüpft die Lebenserzählung mit umfassenden Interpretationen, die Kafkas Werk und dessen psychologische Voraussetzungen durchdringen. Sie zeigt den Autor als Beobachter seiner Zeit, indem sie sein Verhältnis zur deutschen Literatur in der Europäischen Moderne, zu Psychoanalyse und Zionismus, Philosophie und jüdischer Geistestradition, Anthroposophie, Naturheilkunde, Kino und Theater untersucht. Sie beleuchtet die Erfahrungen und Träume, die Visionen und Phantasien eines Schriftstellers, in dessen innerer Welt sich die großen Konflikte des 20. Jahrhunderts abzeichnen. Dabei wird Kafkas Vita nicht als Quelle, sondern als Spiegel der literarischen Projekte gedeutet. Die fiktive Wirklichkeit seiner Erzählungen und Romane gewinnt auf diese Weise in den Linien des Lebensentwurfs eine ebenso fesselnde wie unheimliche Konsequenz. Von dem gebürtigen Berliner Peter-André Alt, seit 2005 Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, sind im Münchner C.H. Beck Verlag außerdem eine zweibändige Schiller-Biographie und das Werk „Schlaf der Vernunft - Literatur und Traum in der Kulturgeschichte der Neuzeit“ erschienen. Seiner grandiosen Kafka-Biographie hat er ein Zitat des „ewigen Sohnes“ aus dem Februar 1922 vorangestellt, das als Einstimmung auf die vielschichtige Analyse besser geeignet kaum sein könnte: „Es ist eine schöne und wirkungsvolle Vorführung, der Ritt den wir den Ritt der Träume nennen. Wir zeigen ihn schon seit Jahren, der welcher ihn erfunden hat, ist längst gestorben, an Lungenschwindsucht, aber diese seine Hinterlassenschaft ist geblieben und wir haben noch immer keinen Grund den Ritt von den Programmen abzusetzen, umsoweniger, als er von der Konkurrenz nicht nachgeahmt werden kann, er ist, trotzdem das auf den ersten Blick nicht verständlich ist, unnachahmbar.“ |
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