Autorin Ingrid Bachér liest bei Mönter
„Der Liebesverrat“ im
Nachhall der Tsunami-Katastrophe
10.03.2006
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 5,-
Mit der Autorin Ingrid Bachér ist am Freitag, 10. März, ab 19 Uhr eine Urenkelin Theodor Storms zu Gast im Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz 1-5 in Meerbusch-Osterath. Die renommierte und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Autorin von Jugendbüchern, Reiseberichten sowie Hör- und Fernsehspielen, die von der Kritik bereits früh für ihren nuancenreichen Stil und ihre sensible Erzählhaltung gefeiert wurde, liest dort im Rahmen des KulturFrühlings aus ihrer jüngsten Erzählung „Der Liebesverrat“. Der Eintritt zu der Veranstaltung beträgt fünf Euro.

Ingrid Bachér wurde 1930 in Rostock geboren, wuchs auf in Berlin und Lübeck. Freiberufliche Schriftstellerin ist sie seit 1949. Viele ihrer Inspirationen und Ideen gewann sie auf Reisen und langjährigen Auslandsaufenthalten. So lebte sie von 1960 bis 1967 in Rom. 1958 trat sie der „Gruppe 47“ bei, 1971 dem VS. Bis 1996 war Bachér Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik. Von 1995 bis 1996 war sie dessen Präsidentin, trat aber im Zusammenhang mit den Konflikten um die Vereinigung von Ost- und West-PEN zurück. Heute lebt sie in Düsseldorf und Berlin und ist verheiratet mit dem Maler Ulrich Erben. 1960 wurde Bachér mit dem begehrten Villa-Massimo-Stipendium ausgezeichnet, 1961 mit dem Förderpreis der Stadt Düsseldorf, 1964 mit dem Berlin-Stipendium des Kulturkreises der Deutschen Industrie, 1989 mit dem Kunstpreis der Düsseldorfer Stadtsparkasse und 1995 mit dem Ferdinand-Lange-Kulturpreis. Ihr umfangreiches Werk umfasst Romane und Erzählungen, zahlreiche Hörspiele, Fernsehspiele und Bühnenstücke. Außerdem sind Beiträge wie Kurzgeschichten und Erzählungen von Ingrid Bachér in diverse Anthologien aufgenommen worden. 2003 erschien „Sieh da das Alter“, Tagebuch einer Annäherung.

Die Erzählung „Der Liebesverrat“ ist ein atmosphärisch dichtes und düsteres Buch. Drei seit langem miteinander befreundete Paare verbringen in einem Nobelrestaurant auf dem Lande gemeinsam die letzten Stunden des Jahres 2004. Da ist Bernward, der sie alle eingeladen hat. Er und Harriet sind auf ideale Weise seit mehr als zwanzig Jahren verbunden. Und da ist Karla, die an der Treue ihres Mannes nicht zweifelt, obwohl offensichtlich ist, dass er sie mit Nina betrügt, die wiederum versucht, mit Arno eine Ehe zu führen, in der Treue nicht gefordert wird. „Sie wollten sich gegenseitig alles zugestehen, was ihnen nötig war an Freundschaften und auch an Liebe, selbst wenn es den anderen nicht mit umfasste. Sie hatten überlegt, ob es gut wäre, wenn sie untereinander über alles reden würden, was sie erlebten, sich dann aber entschlossen, dies nicht zu fordern, denn das hätte bedeuten können, geheimnislos zu sein.“ Überraschend bei der Feier zugegen ist eine sehr junge, sehr schöne Frau. Judith. Ihre Anwesenheit verändert nicht nur das Zusammenspiel der drei Paare, lässt Empfindungen heftiger und Erinnerungen bedeutsamer werden, sondern fordert auch eine Entscheidung. Wegen der Tsunamikatastrophe vor einigen Tagen wird es nicht das übliche Feuerwerk von der Restaurant-Terrasse aus geben. Eine andere Gewalt wächst im Hintergrund. Bald ist Verrat mit im Spiel. „Dieses Buch ist nicht zuletzt ein Lehrstück über die Ausweglosigkeit, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen; der, sobald man ihn betritt, sich von neuem auftut“, schrieb Heike Kunert in „Die Zeit“.

 

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