| Lesung bei Konrad Mönter Ferdinand Schlingensiepen liest zum 100. Geburtstag Bonhoeffers |
| 10.02.2006 19:00:00 Buch- Und Kunstkabinett Konrad Mönter KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: 10,- |
Zum 100. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer liest der Autor Ferdinand Schlingensiepen am Freitag, 10. Februar, ab 19 Uhr beim KulturFrühling im Osterather Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter aus seinem Buch „Dietrich Bonhoeffer 1906 - 1945. Eine Biographie“. Schlingensiepen versteht es meisterhaft, den Menschen, Schriftsteller, Theologen und Widerstandskämpfer Bonhoeffer in zeithistorischen Bezügen darzustellen und gerade dadurch lebendig werden zu lassen. Seine Biographie basiert auf zahlreichen neuen Quellen und Forschungsergebnissen, lebt aber auch von der Nähe des Autors zum Thema: Schlingensiepen verbrachte entscheidende Jahre seiner Kindheit in einem illegalen Seminar der Bekennenden Kirche, das sein Vater bis zu seiner Verhaftung leitete und war nach dem Krieg eng mit Eberhard Bethge, Bonhoeffers erstem Biographen, Freund und Mitwisser, befreundet. Schlingensiepen, geboren 1929, richtete 1972 den ersten internationalen Bonhoeffer-Kongress aus und regte die Gründung der Bonhoeffer-Gesellschaft an. Neben Büchern über Bonhoeffer veröffentlichte er zahlreiche Publikationen zu Heinrich Heine und Theodor Fontane. Zu der Lesung bei Mönter wird ein Eintritt von 10 Euro erhoben. 5 Euro davon sind anrechenbar beim Kauf des vorgestellten Buches.Experten sind sich weitgehend darin einig, dass mit Schlingensiepens Werk nach Eberhard Bethges monumentaler Biographie wieder ein richtungsweisendes, maßgebliches Standardwerk zum Leben Bonhoeffers vorliegt. Aus heutiger Sicht gilt dessen ungewöhnlicher Lebensweg gerade deshalb als vorbildlich, weil Bonhoeffer in seinen Entscheidungen für Theologie, Bekennende Kirche und für politischen Widerstand immer wieder vom scheinbar geraden Weg abgewichen ist. Auch 60 Jahre nach seiner Hinrichtung laufen Leben und Werk Bonhoeffers vielen Erwartungshaltungen entgegen: Als Theologe hatte sich Bonhoeffer bereits vor 1933 für den Widerstand gegen Hitler entschieden. Und dieser Widerstand war kein religiöser oder pazifistischer, sondern ein politischer und schloss Anwendung von Gewalt nicht aus. Zwar gilt Bonhoeffer weltweit als einer der herausragenden Theologen des 20. Jahrhunderts, aber ein systematisches Hauptwerk sucht man vergebens. Fasziniert haben vor allem seine in der Tegeler Haft geschriebenen Briefe und Aufzeichnungen, seine Gedichte, Gebete und Lieder und nicht zuletzt auch seine „Brautbriefe“ an die viele Jahre jüngere Verlobte. Im Vorwort seiner Bonhoeffer-Biographie schreibt Schlingensiepen: „Ein Mensch, dessen hundertster Geburtstag feierlich begangen wird und der vor 60 Jahren als Märtyrer gestorben ist, kann leicht zum Gegenstand allgemeiner Verehrung werden - schon gar, wenn er ein Leben geführt hat wie Bonhoeffer und es von ihm ein Gedicht wie ,Von guten Mächten´ gibt. Aber Bonhoeffer wollte nicht verehrt, sondern gehört werden. Wer ihn einsam auf ein Podest stellt, entschärft das, was bis heute die Auseinandersetzung mit ihm lohnenswert macht. Dazu gehört seine einzigartige Verknüpfung von Theologie und politischem Handeln, der noch nach dem Krieg mit Misstrauen begegnet wurde.“ |
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