Prof. Dieter Borchmeyer bei Mönter
Mozart neu gesehen: Er war
ein epochaler Revolutionär der Liebe
03.02.2006
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 10,-
Zum 250. Geburtstag des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart liest Dieter Borchmeyer am Freitag, 3. Februar, ab 19 Uhr beim KulturFrühling im Osterather Buch- und Kunstkabinett Mönter aus seinem ebenso erhellend wie kurzweilig geschriebenen Buch „Mozart oder die Entdeckung der Liebe“. Borchmeyer, geboren 1941 in Essen, ist Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte und Theaterwissenschaft an der Universität Heidelberg und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu Literatur und Theater vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, insbesondere zur Weimarer Klassik, zu Robert Walser, Thomas Mann, Martin Walser und zur Wechselbeziehung zwischen Literatur und Musik. Im InselVerlag liegen unter anderem vor die Dokumentation „Nietzsche und Wagner. Stationen einer epochalen Begegnung“ (zusammen mit Jörg Salaquarda, 1994) und „Richard Wagner. Ahasvers Wandlungen“ (2002). Borchmeyer ist außerdem Mitherausgeber der Goethe-Ausgabe im Deutschen Klassiker Verlag. Im Jahr 2000 wurde ihm der Bayerische Literaturpreis (Karl Vossler Preis) durch den Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst verliehen. Für die Lesung wird ein Eintritt von 10 Euro erhoben, 5 Euro sind anrechenbar beim Kauf des vorgestellten Buches.

Mozarts sieben große Opern, innerhalb nur eines Jahrzehnts entstanden, bilden ein einzigartiges Panorama der einander überlagernden Liebeskonzeptionen des späten 18. Jahrhunderts, als zum erstenmal in der Geschichte der Gefühle die Ehe zum einzigen Ort der wahren Liebe verklärt wurde. Es ist der Goldgrund der „Empfindsamkeit“, die der Epoche ihren Namen gab, vor dem sich Zärtliche und Rasende, Schwärmer und Zyniker, Passionierte und Entsagende, Spiritualisten, Sensualisten und Sexualisten leuchtend oder dunkel abheben. Borchmeyer entziffert Mozarts Opernschaffen vom „Idomeneo“, der vom Komponisten selbst favorisierten Schöpfung, bis zur „Zauberflöte“ als Liebes-Geschichte und Mozart als Entdecker der unter einer harten Kruste gesellschaftlicher Konvention verborgenen Autonomie der Liebe. Das Finalquartett des zweiten Aufzugs der „Entführung aus dem Serail“ mit seinem wahrhaft umstürzenden Hymnus „Es lebe die Liebe!“ ist gleichsam der Sturm auf die Bastille der Gefühlskonventionen. „Don Giovanni“, Widersacher empfindsamer Liebe, erscheint abgelöst von romantischer Legendenbildung in ebenso neuem Licht wie das erotische Vexierspiel im „Figaro“ und in „Cosi fan tutte“ oder das bisher kaum beachtete Phänomen der „rasenden Weiber“ bei Mozart, von der Elektra in „Idomeneo“ bis zur Königin der Nacht in der „Zauberflöte“ und der Vitellia in Mozarts letzter Oper „Titus“.

„Mozart oder die Entdeckung der Liebe“ ist ein Opernführer besonderer Art: Indem Borchmeyer Opern Mozarts im Kontext der Emanzipation der Liebe vom Zwang des Höfischen und den gesellschaftlichen Konventionen betrachtet, erzählt er auch ein intimes Stück von Mozarts Biographie, dessen eigene Liebesheirat ebenfalls noch gegen die Gepflogenheiten seiner Zeit und die Vorstellungen seiner Familie verstieß.

 

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