| Dr. Werner Frizen: Werkstattbericht zur Neuedition Thomas Manns „Lotte in Weimar“ bei Mönter |
| 02.09.2005 19:00:00 Buch- und Kunstkabinett Konrad Möner KG Kirchplatz 1-5 Meerbusch-Osterath Hotline: 02159/3530 Eintritt: fünf Euro |
Ein Herkules sei nötig, meinte Thomas Mann kurz vor seinem Tod, um diesen Augias-Stall auszumisten. Der berühmte Schriftsteller spielte damit auf seinen Roman „Lotte in Weimar“ an, der im Exil verfasst, unter abenteuerlichen Umständen beendet und im fremdsprachlichen Raum ins Reine geschrieben, gesetzt und gedruckt worden war. Die Erstausgabe und alle weiteren Drucke des Romans, der bislang als „Aschenputtel unter Thomas Manns Romanen“ galt, tragen bis heute deutliche Spuren dieser Entstehungsgeschichte. Dr. Werner Frizen aus Köln, Herausgeber von „Lotte in Weimar“ und Mitherausgeber der „Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe der Werke von Thomas Mann“ wird am Freitag, 2. September, 19 Uhr im Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz in Osterath zum 50. Todestag Thomas Manns einen Werkstattbericht zur Neuedition von „Lotte in Weimar" zum Vortrag bringen. Gleichsam der Herkules persönlich will aufzeigen, wie die Neuedition die lange Liste von Irrtümern umgangen und zum ersten Mal die Handschrift selbst als Leittext zu Grunde gelegt wurde. Der Werkstattbericht demonstriert an Beispielen Irrungen und Wirrungen der Roman-Rezeption, gibt Einblicke in die Archäologie des Romans und wirbt für das Lesevergnügen, das „Lotte in Weimar“ in seiner ursprünglichen Gestalt bereitet. Zur Einführung rezitiert die Schauspielerin Christina Puciata aus dem ersten Kapitel. Der Eintritt für die Veranstaltung beträgt fünf Euro. Bei keinem anderen Autor sind die Biographie des Werkes und der Person so eng mit dem Werdegang des Druck-Hauses verknüpft wie bei Thomas Mann, dessen Werk seit über 100 Jahren bei S. Fischer erscheint. „Ich war ein elfjähriges Kind, als er in Berlin seinen Verlag gründete“, schrieb Thomas Mann aus Anlass des Todes von Samuel Fischer. „Zehn Jahre später war es der Traum eines jeden jungen Literaten, ein Buch bei S. Fischer zu haben, und meiner auch.“ Die Beziehung zwischen Autor und Verleger überdauerte die Schicksalsschläge der zwei Weltkriege, die Emigration und die Jahre des Exils. Sie ist einzigartig in der Verlagsgeschichte. Nun präsentiert S. Fischer das epochale Werk seines Autors in einer auf 38 Bände angelegten, umfassend kommentierten Werkausgabe, die sich zum Ziel setzt, den philologisch sichersten Text zu bieten. Ein Team aus fünfzehn renommierten Forschern unterzog und unterzieht alle Texte einer gründlichen Revision und überprüft die Lesarten. Die historische Orthographie wird wieder eingeführt, korrumpierte Textstellen werden korrigiert. So sind beispielsweise die „Buddenbrooks“, in denen minutiös der Bankrott einer protestantischen Ethik nachvollzogen wird, erstmalig wieder in der Fassung des Erstdruckes zu lesen. Dr. Werner Frizen wird bei Mönter einen Einblick in die vielfältigen Probleme geben, die sich verantwortungsbewussten Bearbeitern eines derart ambitionierten Projektes stellen. Nicht zuletzt wollen ja auch Design und Typographie, optischer Anreiz und Lesekomfort diskutiert sein. „Lotte in Weimar“ spricht für das Ganze. |
Kontakt: email / Internetadresse |
| Pressefoto: Download |
| Worddatei: Download |
| >zurück |