Konrad Beikircher liest bei Mönter
Guareschis zeitlose Auslotung
der Extreme Don Camillo/Peppone
28.08.2006
19:00:00

Buch- und Kunstkabinett
Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1-5
Meerbusch-Osterath

Hotline: 02159/3530
Eintritt: 15,- Vorverkauf
Ein Stern des deutschen Kabaretts stellt im Kulturzentrum Buch- und Kunstkabinett Mönter am Kirchplatz in Osterath seine Lieblingslektüre vor. Am Montag, 28. August, ab 19 Uhr gibt Konrad Beikircher eine kongeniale Kostprobe seiner Lesung des ebenso humorigen wie tiefgründigen Klassikers „Don Camillo und Peppone“ aus der Feder von Giovanni Guareschi. In ganzer Länge ist sie auf einem CD-Set zu hören, das acht Tonträger umfasst und 579 Minuten dauert, von denen garantiert nicht eine einzige den Zuhörer langweilen wird. Beikircher, gebürtig in Südtirol und seit 1965 im rheinischen Bonn beheimatet, hat ebenso ersichtlich wie auch hörbar ein geradezu diebisches Vergnügen an dieser zeitlosen Auslotung der Extreme Glaube und Anarchie, Kommunismus und Kirche, die nicht nur in Italien von jeher und bis heute Katalysatoren sozialen Gemeinsinns bilden. Der Eintritt beträgt im Vorverkauf 15 Euro, der dringend empfohlen wird.

Die so vergnüglichen Schnurren um Don Camillo und Peppone sind spätestens seit den Verfilmungen mit Fernandel und Gino Cervi ein Komödienkultereignis. Mit dem cholerischen Priester und dem bolligen Bürgermeister hat Giovanni Guareschi zwei zeitlos tolle Schlitzohren erschaffen, die uns wegen ihrer allzu menschlichen Schwächen herrlich vertraut vorkommen. Jesus hängt immer mittendrin. „Warum hast du mir nicht geholfen?“ fragt der unorthodoxe Kirchenmann seinen Herrn, als seine christlichen Kicker gegen die Kommunisten verlieren, und Jesus, weise und sanft wie immer, antwortet: „Don Camillo, alle Beine sind gleich. Ich kann mich nicht auch noch mit Beinen befassen. Ich beschäftige mich mit den Seelen.“

„Don Camillo und Peppone“ - das habe jeder italienische Staatsbürger und auch der deutschsprachige Südtiroler unterm Kopfkissen liegen; das sei deren Bibel, „weil der Tiroler den Italiener und der Italiener sich selbst so schön darin porträtiert sieht“. Ort des Geschehens ist ein kleines fingiertes Dorf in der „Bassa“, einer Region um Piacenza in Richtung der Po-Ebene. Das Hauptlebenselement sei der Nebel. Italienischer Niederrhein sozusagen also, nur noch ein bißchen lustiger. So ist der italienisch-rheinische Brückenschlag schnell vollzogen. Beikircher spricht wie er liest, liest wie er spricht - Satirisches aus der Nachkriegszeit, erschienen 1948, bietet eine bestmögliche Plattform. Er gibt vollen Körpereinsatz: Mundwinkel schräg nach oben, die Stirn gekräuselt oder glatt, die Äuglein strahlend, ruht die linke Hand noch am Buch, während die rechte kaum zu bändigen ist. Mal wild, mal weihevoll bedächtig. Und wieder kommt Jesus ins Spiel. Und wieder geht es um die Beine, wenn auch diesmal nicht direkt. „Jesus“, sagt Don Camillo, „verzeihe mir. Aber ich haue ihm eine herunter.“ - „Nein, Deine Hände sind zum Segnen und nicht zum Schlagen da.“ - „In Ordnung“, flüstert Don Camillo und schaut fromm zu Jesus auf: „Die Hände sind zum Segnen da, nicht aber die Füße.“ Auch das sei wahr, sagt Jesus vom Hochaltar-Kreuz herab. „Aber ich bitte dich, Don Camillo - nur einen!“

Der Sohn Gottes schwebt auf wunderbare Art über den Dingen, weiß aber auch von Alltäglichkeiten wie Grundstückspreisen oder Fußballtaktik. Er ist magischer Anker und tröstlicher Charme der Komödie, und Beikircher versteht dies aus dem Herzen.

 

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